Willkommen beim 2026 MS-Digital-Kalender. Sie halten gerade einen Kalender in der Hand, der ein kleines Wunder vollbringt: Er ist aus Papier und führt dennoch per QR-Code Monat für Monat direkt ins Digitale. Ein bisschen wie das Gesundheitswesen selbst: offiziell längst „im 21. Jahrhundert angekommen“, praktisch aber gelegentlich noch in einer festen Beziehung mit dem Faxgerät. Und genau deshalb passt das Thema so gut.
Digitalisierung im Gesundheitswesen klingt oft nach drei Dingen gleichzeitig: Hoffnung, Hype und Hürdenlauf.
Gerade bei Multiplen Sklerose (MS) ist Digitalisierung nicht nur ein schickes Schlagwort, sondern kann im besten Fall echte Entlastung bringen – im Alltag, in der Versorgung und in der Forschung. MS ist dynamisch und chronisch: Symptome schwanken, Fatigue macht Pläne zu Vorschlägen, und „Wie geht es Ihnen?“ lässt sich nicht immer in zwei Sätzen beantworten. Digitale Werkzeuge können genau hier helfen: Symptome strukturiert festhalten, Verläufe sichtbar machen, Entscheidungen gemeinsam fundierter treffen, Reha und Bewegung unterstützen, Kommunikation erleichtern. Aber nur unter einer Bedingung: Das Digitale muss zum Menschen passen und nicht umgekehrt. Digitalisierung sollte nicht bedeuten, dass man neben MS noch ein Nebenfach in „App-Verwaltung und Account-Wiederherstellung“ belegen muss.
Darum geht es in diesem Kalender: nicht um Technik um der Technik willen, sondern um alltagstaugliche Digitalisierung mit Humor, weil man über manches sonst nur seufzen könnte, und mit Neugier, weil wir längst nicht am Ziel sind. Die Cartoons von Phil Hube sind dabei ein liebevoll-ironischer Realitätscheck: Sie zeigen, was schon funktioniert, was manchmal klemmt und wohin die Reise gehen könnte.
Schon das Titelmotiv macht klar, worum es im Kern geht: Realität versus Wunschtraum. Links sehen wir den gestressten Arzt mitten im analogen Orkan: Aktenberge, klingelndes Telefon, ein hinabstürzender Kaffee, die Stirn schweißgetränkt und in der Hand MRT-Bilder, als müssten sie persönlich über die Ziellinie getragen werden. Alles ist gleichzeitig dringend, alles ist gleichzeitig laut. Es ist keine Karikatur der Menschen, sondern der Reibung: guter Wille trifft auf zu viele Umwege.
Rechts dagegen die Fantasie, die vermutlich schon in mancher Teeküche still ausformuliert wurde: Südsee-Strand, Liegestuhl, aber Reflexhammer griffbereit…und der Klinikstress lässt sich elegant per iPad steuern. Ein Bild wie eine Postkarte aus der Zukunft: weniger Chaos, mehr Überblick, weniger Laufwege, mehr Steuerbarkeit. Überspitzt, klar, aber gerade deshalb treffsicher: Es zeigt nicht „Faulheit“, sondern den Wunsch nach einem System, das funktioniert, ohne alle permanent am Rand der Überlastung zu halten.
Und damit steht die Frage im Raum, die dieses Kalenderjahr begleitet: Wo stehen wir wirklich zwischen Aktenstapel und iPad-Palmenschatten? Denn Digitalisierung ist im Gesundheitswesen nicht zuerst ein Technikprojekt, sondern ein Kulturprojekt. Sie entscheidet sich nicht an der Anzahl von Apps, sondern daran, ob Systeme den Alltag tatsächlich besser machen: ob sie entlasten statt verkomplizieren, Sicherheit erhöhen ohne Vertrauen zu verspielen, Möglichkeiten schaffen ohne neue Hürden aufzubauen.
Genau dort setzt dieser Kalender an: als Einladung, die Realität mit einem Augenzwinkern zu betrachten und den Traum so konkret zu machen, dass er Schritt für Schritt erreichbar wird.